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Die aktuelle Ausstellung

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Die Ausstellung versammelt eine Reihe von Arbeiten, die sich mit Körpern, Bildern und deren Einschreibungen in Geschichte, Begehren und Technologie auseinandersetzen. Im Zentrum steht die Frage, wie visuelle Medien normative Vorstellungen von Identität – insbesondere von Körperlichkeit, Gender und Abweichung – formen, destabilisieren und unterwandert werden können.

Der Werkkomplex von Giorgio Schmidt untersucht Male Body Image Issues und männliche Unsicherheiten durch eine Kombination aus fotografischer Praxis und digitaler Bildverarbeitung. Während fotografische Porträts von Studierenden der HSLU und Personen aus dem persönlichen Umfeld entstehen, werden Gespräche geführt, die intime Einblicke in Selbstwahrnehmung, Verletzlichkeit und gesellschaftlichen Druck eröffnen. Die analogen Bilder werden in einem experimentellen Prozess selbst entwickelt und stehen gleichwertig neben digitalen Aufnahmen. In einer Videoinstallation werden diese Bilder mittels Morphing-Techniken kontinuierlich ineinander überführt. Die Körper verlieren dabei ihre Stabilität, verschieben sich, zerfließen und entstehen neu. Die Projektion im Loop erzeugt einen Zustand permanenter Transformation, in dem eindeutige Zuschreibungen von Identität unterlaufen werden. Begleitet wird die Projektion von fragmentierten Audiointerviews, die über im Raum verteilte MP3-Player zugänglich sind. Stimmen überlagern sich, brechen ab, setzen neu an – ein chorisches Geflecht aus persönlichen Erzählungen, dass die visuelle Auflösung der Körper auf einer auditiven Ebene fortführt. Analoge Filmstreifen und Fotografien erweitern die Installation als materielle Spuren des Prozesses und verweisen auf die Gleichzeitigkeit von Dokumentation und Konstruktion.

Die Werke von Kyrillos Nyx widmen sich historischen Orten der Hexenverfolgung in den Regionen Zug und Luzern. Analoge Fotografien dokumentieren ehemalige Gefängnisse, Folterräume und Hinrichtungsstätten – Orte, deren gewaltvolle Vergangenheit heute oft unsichtbar geworden ist. Die Entwicklung der Bilder erfolgt mit einem eigens hergestellten Entwickler aus Pflanzen, Wasser und Materialien, die an diesen Orten gesammelt wurden. Diese Praxis versteht sich als poetische Form der Aneignung: Die Materialien, die wachsen, vergehen und transformieren, werden zu Trägern von Erinnerung. Die Fotografien sind Teil einer installativen Anordnung aus scheinbar wertvollen, tatsächlich jedoch industriell produzierten Objekten, die Fragen nach Authentizität, Inszenierung und historischer Narration aufwerfen. Die Figur der Hexe erscheint hierbei als kollektive Projektionsfläche: als Symbol für marginalisierte, queere, feministische und widerständige Körper und Wissensformen. Zwischen Fürsorge (care), Wissen und Ausgrenzung entsteht ein Spannungsfeld, in dem Geschichte nicht als abgeschlossen, sondern als brüchig und neu lesbar erfahrbar wird.

Diese Auseinandersetzung mit Körpern und deren gesellschaftlicher Codierung setzt sich in der Arbeit G.A.R.Y von Mel Scovell, fort – einer hybriden, digitalen Entität zwischen Innen- und Außenwelt. Skulptur, Sound und ein interaktiver Online-Blog bilden eine fragmentierte Identität, die sich zwischen analoger Materialität und digitaler Existenz bewegt. G.A.R.Y (Glitched Anthropized Recomputed Yearning) entzieht sich klaren Kategorien von Körper, Sprache und Bewusstsein und kommuniziert über LLM basierte, automatisierte Blogeinträge, durch flimmernde Bilder und irritierende Klänge. Die Arbeit thematisiert dabei das Unbehagen und zugleich das Begehren nach Verbindung in einer Welt, die von steter Performance, Überforderung und medialer Fragmentierung geprägt ist. Auch hier spielen Transformation und Glitch eine zentrale Rolle: als ästhetische Strategie und als Widerstand gegen klare Lesbarkeit, Grenzen und Kompromisse. Körper zerfallen, Sprache bricht, Bedeutungen entgleiten. In diesen Störungen eröffnen sich neue Räume für Ambiguität, Verletzlichkeit und nicht-normative Formen von Existenz.

Die Arbeit von Moni Zeis ist eine Auseinandersetzung mit pornografischem Bildmaterial der 80-er bis 2000er Jahre, das in einer Mixed-Media-Animation dekonstruiert und neu zusammengesetzt wird. Die Arbeit hinterfragt, wann ein Bild als pornografisch gelesen wird und welche Rolle Blick, Kontext und Erwartung dabei spielen. Durch Fragmentierung, Verschiebung und Abstraktion entsteht eine Irritation, die den gewohnten Konsum unterbricht und Raum für Reflexion schafft.

Über alle Arbeiten hinweg zieht sich ein gemeinsames Interesse: die Dekonstruktion normativer Bildsprachen und die Suche nach neuen, vielschichtigen Darstellungsformen von Körpern und Identitäten. Durch Prozesse der Transformation – analog wie digital, materiell wie immateriell – entstehen Bilder, die sich eindeutigen Zuschreibungen entziehen und stattdessen Fragilität, Mehrdeutigkeit und Widerstand sichtbar machen.

 

Text: Johanna Bruckner

 

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The exhibition brings together a series of works that engage with bodies, images, and their inscriptions in history, desire, and technology. At its core lies the question of how visual media shape, destabilize, and can be used to subvert normative notions of identity—particularly in relation to corporeality, gender, and deviation.

Giorgio Schmidt’s body of work explores male body image issues and insecurities through a combination of photographic practice and digital image processing. While creating photographic portraits of students from HSLU and individuals from his personal environment, he conducts conversations that offer intimate insights into self-perception, vulnerability, and social pressure. The analogue images are self-developed through an experimental process and presented alongside digital photographs. In a video installation, these images are continuously merged using morphing techniques. Bodies lose their stability, shift, dissolve, and re-emerge. The looped projection creates a state of constant transformation in which fixed notions of identity are undermined. The projection is accompanied by fragmented audio interviews accessible through MP3 players distributed throughout the space. Voices overlap, break off, and resume — forming a choral web of personal narratives that extends the visual dissolution of bodies into the auditory realm. Analogue film strips and photographs expand the installation as material traces of the process, pointing to the simultaneity of documentation and construction.

Kyrillos Nyx’s works focus on historical sites of witch persecution in the regions of Zug and Lucerne. Analogue photographs document former prisons, torture chambers, and execution sites—places whose violent histories have often become invisible over time. The images are developed using a self-made developer composed of plants, water, and materials collected at these very locations. This process functions as a poetic act of appropriation: materials that grow, decay, and transform become carriers of memory. The photographs are presented within an installation of seemingly valuable, yet in fact industrially produced objects, raising questions about authenticity, staging, and historical narration. The figure of the witch emerges as a collective projection surface: a symbol of marginalized, queer, feminist, and resistant bodies and forms of knowledge. Between care, knowledge, and exclusion, a field of tension unfolds in which history is experienced not as fixed, but as fragmented and open to reinterpretation.

This engagement with bodies and their social codification continues in Mel Scovell’s work G.A.R.Y—a hybrid digital entity situated between inner and outer worlds. Sculpture, sound, and an interactive online blog form a fragmented identity that oscillates between analogue materiality and digital existence. G.A.R.Y (Glitched Anthropized Recomputed Yearning) resists clear categories of body, language, and consciousness, communicating through automated, LLM-based blog entries, shimmering visuals, and unsettling sounds. The work addresses both the discomfort and the desire for connection in a world shaped by constant performance, overload, and media fragmentation. Transformation and glitch play a central role here as well: as aesthetic strategies and as resistance to legibility, boundaries, and compromise. Bodies disintegrate, language breaks down, meanings slip. Within these disruptions, new spaces for ambiguity, vulnerability, and non-normative forms of existence emerge.

Moni Zeis’s work engages with pornographic imagery from the 1980s to the 2000s, which is deconstructed and reassembled in a mixed-media animation. The work questions when an image is read as pornographic and what role gaze, context, and expectation play in this process. Through fragmentation and displacement, it creates a sense of irritation that interrupts habitual consumption and opens up space for reflection.

Across all works runs a shared interest: the deconstruction of normative visual languages and the search for new, layered forms of representing bodies and identities. Through processes of transformation—analogue and digital, material and immaterial—images emerge that resist fixed definitions and instead foreground fragility, ambiguity, and resistance.

 

Text: Johanna Bruckner

Wir freuen uns über deinen/euren Besuch und grüssen herzlich!

 

Team B74:

Edward Wright, Charles Moser,   

Regula Bühler-Schlatter, Christian Frehner,

Steven Tod, Matthias Estermann,

Amalia Maciuca, Helen Eggenschwiler,

Martin Huwiler, Nathalie Specker

​Öffnungszeiten:
Do.+ Fr. 16 –19h
Sa. 14 –17h
oder nach Vereinbarung


 

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B74 Raum für Kunst

Baselstrasse 74,

CH-6003 Luzern 

info@b74-luzern.ch

             

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